Let’s celebrate diversity! Rani Bagerias erste genderless Kollektion

    Die Welt würde in Gleichförmig- und Belanglosigkeit versinken, wenn nicht Freigeister, Künstler und andere Verfechter der Andersartigkeit dafür sorgen würden, dass sie bunter, vielfältiger und vorurteilfreier ist. Das Wiener Schuhlabel Rani Bageria gehört zu diesen besonderen Namen, die Schuhe in besonderer Optik für besondere Menschen anfertigt. Die gleichnamige Designerin ist Absolventin der renommierten Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen und kreiert außergewöhnliche Kreationen für „contemporary people“. Bisher konzentrierten sich ihre Modelle, die aus hochwertigem Leder in italienischen Manufakturen gefertigt werden, auf weibliche Füße. Doch ab sofort dürfen sich auch männliche Fans des Labels auf Unisex-Modelle freuen. Warum? Das verrät uns Rani Bageria im Interview.
    Genderless
    Rani Bageria, ©Christiano Tekirdali

    Wie sind Sie auf die Idee gekommen, genderfreie Modelle zu kreieren?
    Da mich viele Leute darauf hingewiesen haben, dass sie genderfreie Modelle toll fänden und Interesse hätten, entschied ich mich, die ersten Stücke zu entwerfen. Meine Arbeit ist für mich einerseits eine Möglichkeit, meine ästhetische Haltung sichtbar zu machen, gleichzeitig sehe ich es aber auch als Service. Nur wenn Menschen die Schuhe in ihrem realen Leben haben wollen und es ihnen auch etwas bedeutet, macht es Sinn. Ich bin auf jeden Fall fasziniert von der hermaphroditischen (Anm. d. Red. gleichgeschlechtlichen) Macht; es geht ums Inkludieren.

    Welcher Träger/in diente Ihnen als Inspiration?
    Mich inspirieren Menschen, für die eine konventionelle Dualität von Feminin-Maskulin schon lange passé ist; forsche Freigeister, Dandys, Prince, der Pop Musiker Thomas Azier und die Künstlerin Sophie Thun.

    Unisex-Modelle sind bereits in der Sportswear, beispielsweise Sneaker, bereits verbreitet. Was macht Ihre Modelle besonders?
    Das kann ich nicht ganz bestätigen, denn bei Sneaker gefallen mir oft die Männermodelle und die Damenversionen sind tatsächlich oft pink, das wundert mich sehr. Rani Bageria Stiefel sind aus Leder, mit Absatz und einem bequemen Plateau. Sie sind extravagant wie Tiger in der Nacht.

    Sind die drei genderlosen Modelle im Aufbau gleich wie die gewöhnlichen Female-Modelle?
    Es sind mehrere Stiefelvariationen – schlicht in Schwarz, mit Nieten auch in Braun, Schlangenoptik und zwei Slipper Modelle.

    Mode bietet eine visuelle Vorhut, ein neues Begehren des kommenden Zeitgeists sichtbar zu machen. Wir müssen uns selbst und einander Würde zugestehen und stolz auf uns sein.
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    Mussten Sie besondere Eigenschaften berücksichtigen, die auch für den männlichen Träger wichtig sind?
    Die sogenannten Raniboots hatten von Anfang an einen androgynen Charakter. Durch das leichte Plateau sind sie nicht hoch, das Fußbett ist breit und das Leder passt sich durch die großen Seitenflächen gut an. Ich habe deshalb keinen Grund gesehen, etwas zu ändern. Ich probierte es einfach aus.

    In der Modewelt bereits ein wichtiges Thema, in der Gesellschaft in vielen Teilen tabuisiert. Wie bereit ist unsere Gesellschaft beim Thema Geschlechterfrei/-gleichheit?
    Es geht für mich weniger um Gleichheit, sondern um das Feiern der Verschiedenheit und unglaublichen Vielfalt des Seins. Ich weiß, wie es sich anfühlt, einer Minderheit anzugehören und wie unglaublich schön es ist, wenn man Dinge findet, die richtig gut zu einem passen – zur Form und Farbe deines Körpers, zu deinen Interessen und deinen Wünschen. Es ist gar nicht so leicht, in die eigene Größe hinein zu wachsen. Es wird oft gesagt, dass es viel einfacher sei, sich kleinzumachen und zu verstecken. Mode bietet eine visuelle Vorhut, ein neues Begehren des kommenden Zeitgeists sichtbar zu machen. Wir müssen uns selbst und einander Würde zugestehen und stolz auf uns sein. Wir alle bilden die Gesellschaft, wir sind einander Vorbilder und wir bereichern auch einander, wenn wir in liebevoller Selbstakzeptanz die Wertschätzung für die unfassbare Vielfalt des Lebens anerkennen.

    Rani Bageria – wohin führt die Reise in naher Zukunft?
    Die Zukunft führt uns an einen neuen Ort, wo man sich alles selbst ansehen und anprobieren kann.

    Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das ehrliche Gespräch.

    Interview: Deniz Trosdorff

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