„Wir halten an unseren Werten fest“ – Herr Licher zeigt Haltung

    Der Name Erwin O. Licher ist kein Unbekannter in der hiesigen Modebranche. Sie kennt ihn als Fashion- und Denim-Connaisseur mit einer klaren Haltung gegenüber seiner Arbeit – eine Seltenheit in der heutigen Zeit, wo Mainstream und Fast Fashion das Sagen haben. Anlass genug für uns, mit dem Gründer der Marke Herrlicher über seine individuellen Ansichten und Gedanken zu sprechen.
    Herrlicher

    Beschreiben Sie doch zu Beginn in Ihren eigenen Worten die Marke Herrlicher…
    Herrlicher ist zeitlos, modern, authentisch, echt. Wir haben eine Haltung und gehen mit unserer Marke sorgsam um.Was bedeutet „sorgsam“ in diesem Fall?
    Wir lassen uns nicht von äußeren Faktoren wie Stimmungen oder schnelllebige Trends beeinflussen. Dazu gehört auch für uns ganz deutlich die Einstellung, nur mit guten Produzenten innerhalb Europas zusammenzuarbeiten. Wir verzichten bewusst darauf, mit Produzenten aus Bangladesch und anderen Billiglohnländern zu kooperieren. Stoffe beziehungsweise Qualitäten für unsere Kollektionsteile werden sorgfältig und sorgsam ausgesucht. Diese Sorgsamkeit spiegelt sich auch im Umgang mit unseren Mitarbeitern im Unternehmen, mit unseren Partnern sowie unseren Kunden wieder. Wir bleiben unserer Linie treu, auch wenn es mal vorkommt, dass Kunden oder Vertreter von uns etwas anderes erwarten, was wir aber nicht sind. Wir halten an unseren Werten fest. Wir beugen uns nicht!

    Die Denimbranche ist eine der spannendsten und ereignisreichsten Branchen der Modeindustrie. Mit welchen Herausforderungen werden Sie als Brand heutzutage konfrontiert?
    Die Herausforderung liegt klar auf der Hand: Eine Jeans zu waschen ohne Wasser zu verschwenden. Fakt ist, dass kaum eine Frau eine ungewaschene Jeans tragen möchte. Und hier treffen wir trotz dem wichtigen Nachhaltigkeitsgedanken auf das Dilemma: Eine Jeans mit Waschung verbraucht Wasser. Wie man beide Faktoren bestmöglich berücksichtigen kann; darin liegt die Herausforderung.

    Wir machen unseren Job hundertprozentig und überlassen nichts dem Zufall.

    Herrlicher arbeitet mit Candiani zusammen. Viele Marken brüsten sich damit, mit nachhaltigen Herstellern zusammenzuarbeiten. Wie gehen Sie grundsätzlich mit dem Thema Nachhaltigkeit um?
    Wir arbeiten bereits seit über zehn Jahren mit Candiani zusammen. Wir müssen aber diese Zusammenarbeit nicht groß kommunizieren – wir tun es einfach. Das gilt auch für alle anderen Stofflieferanten wie unter anderem Royo oder Isko, mit denen wir kooperieren, weil sie besondere Zertifikate zu ihren Produkten und Herstellungsweisen vorweisen können. Wir sind nicht grün, aber wir versuchen seit Gründung der Marke mit unseren Mitteln auf die Nachhaltigkeit einzugehen. So verzichten wir bei unseren Hosen seit Anfang an auf Plastik- oder Blechlabelings und setzen stattdessen auf eine Variante aus Papier, das recycelt werden kann. Diese Hangtags wurden in den ersten Jahren noch mit Hilfe einer Kordel an den Hosen angebracht. Seit acht Jahren verzichten wir auch auf die Kordel. Stattdessen werden die Hangtags am Hosenbund angenäht. Mit diesen kleinen Schritten tragen wir unseren Anteil zur Nachhaltigkeit bei.

    herrlicher

    Wie relevant sind denn Trends für Sie und wie arbeiten Sie diese in Ihre Kollektionen ein?
    Auf den Punkt gebracht: Unsere Philosophie ist zeitlos und wir rennen nicht jedem Trend hinterher. Unsere vier Designerinnen holen sich die Inspirationen für die Kollektionen meistens aus dem Internet. Meine Frau und ich leisten zudem unseren kreativen Input. Ich bin persönlich ein guter Beobachter und lasse mich von meiner Umwelt inspirieren. Wenn ich beispielsweise auf Reisen bin, hole ich Inspirationen aus meiner Umgebung ein. Interessant ist es am Flughafen, wo ich  Personen aus dem Ausland beobachte, die anders gekleidet sind. Letztendlich geht es darum, dass wir modische und tragbare Kleidung für unsere Kunden entwerfen.

    Wie viel von Herr Licher steckt in Herrlicher?
    Ich hoffe viel (lacht). Ich arbeite täglich bei uns im Unternehmen mit. Sowohl das Design- als auch das Produktionsteam sind mir heilig. Wir machen unseren Job hundertprozentig und überlassen nichts dem Zufall. Es wird bei uns alles akribisch geprüft, vom Wareneingang bis zur Auslieferung. Es muss einfach alles stimmen. Es ist unser Ziel, die richtige Ware unserem Partner und final dem Kunden zu präsentieren.

    Was möchten Sie Ende dieses Jahres persönlich erreicht haben?
    Ruhe, Zufriedenheit und dabei Spaß haben. (lacht)

    Ein tolles Schlusswort. Herr Licher, vielen herzlichen Dank für das Interview!

    herrlicher

    Interview: Deniz Trosdorff

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