Nachhaltiger Schmuck: Nicht alles was glänzt ist Fairgold

    „Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“ Der kleine verstoßene Gollum wäre wohl kein guter Schmuckverkäufer geworden. Bezeichnen die düsteren Worte der kleinen „Herr der Ringe“-Figur noch immer die bittere Wahrheit über den Goldabbau: Die meisten Schmuckstücke haben Minenarbeiter und die Umwelt auf dem Gewissen. Höchste Zeit umzudenken. Höchste Zeit für Fairgold.
    fairgold

    Schlicht soll er sein, nicht allzu pompös – aber bitte nicht billig und womöglich noch Modeschmuck. Wenn es um den wichtigsten Tag vieler Deutschen geht, wird noch immer Wert auf Echtschmuck gelegt. Doch will man wirklich ins vermeintliche Eheglück starten, wenn bereits der Ring großes Unglück symbolisiert?

    Tödliches Gold 

    Gerne erinnern wir uns an die idyllischen Szenen der Goldwäscher im romantisierten Karl-May- Western. Wer sein Glück im späten 19. Jahrhundert sucht, stellt sich mit Sieb in den Fluss und schunkelt das Gold aus dem Wasser. Der Rekordhalter ist übrigens ein Deutscher: Bergbauer Bernhardt Otto Holtermann gilt als der Entdecker des größten Gold-Nuggets der Welt. Wenig später entwickelte sich ein regelrechter Goldrausch der Hunderttausende zu Millionären machte und anderen wiederum das Leben kostete.

    Über 150 Jahre später zählt der Goldabbau noch immer zu einer gefährlichsten Raffinerien. Ein Großteil des weltweit gehandelten Golds ist unsauber. Bedeutet im Klartext: Konzerne sprengen etwa 90 Prozent des weltweit geförderten Golds als Erz aus den Bergen – überwiegend in Australien, Asien sowie Süd- und Nordamerika. Den übrigen Prozentsatz fördern Millionen von Arbeitern in miserabel gesicherten Minen und an Flüssen in Entwicklungsländern. Darunter zahlreiche Kinder, die aufgrund ihrer Körpergröße gut in die Schächte passen. Unter hohem CO2- Ausstoß werden Erze zermahlen und Edelmetall mit Cyanid oder Quecksilber herausgelöst. Die hochgiftigen Chemikalien landen schließlich im Fluss. Zusätzlich verursacht Gollums „kleiner Schatz“ mehrere Tonnen Abraum.

    Nachhaltiger Schmuck: Fairtrade-Gold 

    Verunglückte Minenarbeiter und toxische Flüsse – dagegen gehen nun Fair-Trade-Minen vor. In geschlossenen Kreisläufen wird das begehrte Material abgebaut, damit weder Arbeiter noch Gewässer mit dem Quecksilber in Berührung kommen. Das Resultat: bessere Arbeitsbedingungen und saubere Flüsse. Zudem wird ein Teil des Einkommens von den Mienen reinvestiert.

    Verantwortung übernehmen 

    Beinahe unter Zugzwang stehen nun große Luxuslabels – in der Verantwortung sich sozialen und ökologischen Fragen zu stellen. Ein Goldproblem, das vor allem die Lieferkette betrifft und Labels vor neue Herausforderungen stellt. Cartier, Schmuck- und Uhrenfirma des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont, zieht nun seine Goldlieferanten schriftlich zur Verantwortung. Im sogenannten „Responsible Jewellery Council“ , einem Verhaltenskodex verpflichten sich sämtliche Lieferanten im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit und ihres Einflussbereichs Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass Gold, das zur Finanzierung von Menschenrechtsverletzungen verwendet werden kann, in die Lieferkette gelangt. „Unsere Lieferanten sind nun verpflichtet, dem

    RJC beizutreten und sich nach seinem Verhaltenskodex zertifizieren zu lassen, der Menschenrechte, ethische, soziale und ökologische Leistungen umfasst“, so heißt es von Seiten des Unternehmens.

    Vieri: Nachhaltiger Schmuck aus Berlin 

    Keine leichte Aufgabe: Guya Merkle übernahm das Schmuckunternehmen „Vieri“, das ihr Großvater vor über 80 Jahren in Pforzheim gründete. In der dritten Generation wird nun das gesamte Unternehmen umgekrempelt und in eine Marke verwandelt, die sich für ethischen und nachhaltigen Schmuck einsetzt. Seit dem Relaunch 2013 stellt „Vieri“ alle Kollektionen und Schmuckstücke aus recyceltem oder ethisch korrekt gefördertem Gold her. „Es ist meine Vision, ein Unternehmen aufzubauen, das nicht nur verantwortungsvoll handelt und produziert, sondern auch die Welt durch ihre Produkte zu einem schöneren und besseren Ort macht“, so Guya Merkle. Mit ihrer Stiftung „Earthbeat Foundation“ setzt sie sich zusätzlich für Minenarbeiter ein und entwickelt Projekte, in denen den Arbeitern Erwerbsalternativen abseits des Goldgeschäfts geschaffen werden.

    Weitere Fairtrade Labels in Deutschland lassen sich über den Fairtrade-Goldfinder ausfindig machen.

    Text: Stefan Franken

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