Zukunft oder Gegenwart? Virtuelle Models auf dem Vormarsch!

    Lil Miquela hat 1,5 Millionen Instagram-Follower, ihr Nemesis Bermuda zählt 125K, Lawko liegt mit 135K knapp darüber, während Shudu fast 160.000 Instagram-Anhänger aufweisen kann. Und sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind der lebende, nun ja, sagen wir einfach nur der Beweis dafür, dass virtuelle Models die Zukunft sind.
    virtuelle Models
    Shudu – Das erste digitale Supermodel der Welt

    Pionierin Lil Miquela

    Vor über drei Jahren startete die 19-jährige Kalifornierin Miquela Sousa mit brasilianischen Wurzeln ihren Instagram-Account. Schnell stieg ihre Followerzahl katapultartig in die Höhe und die ersten Brands wurden schnell auf sie aufmerksam. Doch nicht nur namhafte Modemarken sahen genauer hin, sondern auch Fans. Die bemerkten nämlich zunehmend, dass mit Lil Miquela irgendetwas nicht stimmt. Manchmal schien sie zu perfekt, beinahe statisch, als wäre sie ein Roboter.

    Kein Roboter, aber eine lebensechte Puppe – um es mal einfach auszudrücken. Eine verdammt realistisch aussehende Puppe mit einer künstlich geschaffenen Identität. Eine KI, eine Künstliche Intelligenz, steckt allerdings (noch) nicht dahinter. Das Unternehmen Brud, samt Gründer Trevor McFedries, hat vielmehr ein smartes Team, dass den Account von Lil Miquela verwaltet und die zahlreichen Anfragen beantwortet. Darunter gehören nicht nur Labels wie Ugg, die sie zum Kampagnen-Gesicht ihres 40-jährigen Jubiläums gemacht haben; nein auch Modehaus Prada hat bereits an der Tür von Lil Miquela angeklopft und erfolgreich mit ihr kooperiert.
    Gemeinsam mit @bermudaisbae, ihre ehemalige Erzfeindin, doch man konnte sich versöhnen, und @blakwo22, Bermudas Freund, ist dieses Trio schier eine Andeutung von dessen, was die Zukunft für uns bereit hält, denn während Bermuda ehrlich gesagt doch noch sehr künstlich aussieht, verschwimmt bei Miquela und Lawko – je nach Bild – die Grenze zwischen Realität und Fantasie.

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    Lil Miquela für Ugg
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    Das erste digitale Supermodel

    Doch natürlich ist in der Welt der virtuellen Models noch Luft nach oben. Hier trifft das Wort „virtuell“ nämlich buchstäblich zu. Dürfen wir vorstellen: Shudu, das erste digitale Supermodel der Welt. Wer genau hinschaut wird, tja, verblüfft sein, wozu ein Computer heutzutage so alles in der Lage ist. Cameron-James Wilson ist der Schöpfer des atemberaubend schönen CGI-Supermodels „aus Südafrika“ und der neu gegründeten Model-Agentur „The Diigitals“, die ausschließlich virtuelle Models repräsentiert und verbucht, unter anderem an Balmain-Designer Olivier Rousteing. Der 29-jährige britische Fotograf und Visual Artist schafft anhand eines Computerprogramms virtuelle Avatare und somit „fake Models“. Dazu zählt eben auch Shudu, die erst im Juni letzten Jahres ihr erstes Editorial Shoot hatte – und das auch gleich für Women’s Wear Daily in Kooperation mit CLO Virtual Fashion, einem Unternehmen, das, wie sollte es anders sein, digitale 3D-simulierte Kleidungsstücke entwirft. Shudus jüngster Gig: Das Gesicht der FS19-Kampagne von Ellesse zu sein. „Wenn es um Kooperationen geht, bin ich immer wieder begeistert, die Möglichkeit zu haben, etwas Neues zu schaffen“, so Shudu-Schöpfer Cameron. „Die Zusammenarbeit mit Ellesse war das erste Mal, dass ich Shudu in Sportkleidung sah, das erste Mal, dass sie von einem anderen Fotografen abgelichtet wurde und das erste Mal, dass ich mit Misty arbeitete, mit der ich seit einiger Zeit zusammenarbeiten wollte und die in dieser Kampagne die Muse für Shudu wurde. Misty ist ein unglaublich talentiertes Model und ich fühle mich sehr geehrt, dass sie Teil von Shudu’s Geschichte ist. Diese Kooperation inspirierte mich, Shudu eher als kollaboratives Model zu betrachten – ein Model in deren Fußstapfen man treten kann. Shudu wurde somit zu einer Plattform, die genutzt werden kann, um Menschen zu verbinden.“

    IRL vs Virtual 

    Mit Misty ist übrigens das lebendige, „echte“ UK-Model Misty Bailey gemeint, die ebenfalls für die Ellesse FS19-Kampagne vor der Kamera stand und gleichzeitig als Stand-in für Shudu arbeitete. Ob sie, ihre Kolleginnen und Kollegen eines Tages obsolet werden, sobald Olivier Rousteings „Virtual Army“ erfolgreich die Macht übernimmt und (Camerons) digitale Models gegenüber ihrer menschlichen Pendants mehr Vor- als Nachteile darstellen, sei jetzt vorerst einmal dahin gestellt. Aber wir sollten mittlerweile verstanden haben, dass die Digitalisierung, bis in die unvorstellbarsten Offline-Bereiche unseres Lebens, unausweichlich ist. Das muss aber nicht heißen, dass sie zu einer Bedrohung wird. Entscheidend ist jedoch, wie wir damit umgehen werden. Bis es aber soweit ist, schlagen wir vor, einfach mal darüber zu staunen.

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    Das 'echte' Model: Misty Bailey für Ellesse

    Text: Cheryll Mühlen

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