Konsumkritik vom Feinsten: Deichkinds neue Single „Richtig gutes Zeug“

    Endlich ist es soweit. Deichkind sind zurück und schlagen mit ihrer neuen Single „Richtig gutes Zeug“ wieder mit Hilfe von einschlägigen Rhymes und einem dadaistisch anmutendem Musikvideo gesellschaftskritische Töne – in diesem Fall Konsumkritik – an. Wir nehmen die neue Single und das Video unter die Lupe – mit der Prämisse: „Denken Sie groß!“
    Das offizielle Video zu "Richtig gutes Zeug"

    Deichkind is back!

    Okay. Zugegeben. Deichkind ist nicht jedermanns Geschmack, aber eins ist sicher: Die Elektro-Hip-Hopper sorgen seit zwanzig Jahren mit ihren Alben immer für gute Laune und vor allem für überraschende Momente im deutschen Musikbusiness. Dazu zählen nicht nur die legendären Songs wie „Krawall und Remmidemmi“, „Like mich am Arsch“, „Bück dich hoch“ oder „Leider geil“, die bereits jetzt  sich einen festen Platz im deutschen Sprachgebrauch geschaffen haben, sondern auch die spektakulären Outfits in ihren Musikclips sowie Konzerttourneen verdienen besondere Erwähnung.

    Richtig gutes Zeug – Konsumkritik grüßt Hype um Vetements & Co.

    Mit ihrem neusten Streich enttäuschen uns Deichkind nicht in den gesetzten Erwartungen. Die Single „Richtig gutes Zeug“ ist die erste nach dem 2015 erschienen Album „Niveau Weshalb Warum“ der Hamburger Spaß-Krawall-Kombo und die erste ohne die Beteiligung des 2018 aus der Band ausgeschiedenen Ferris MC. Und dennoch: Sie ist zu 100 Prozent Deichkind. Neben den beiden Deichkindern Kryptik Joe und Porky taucht nun im Musikvideo statt Ferris, ein nackter Lars Eidinger auf, der mit beiden die Sau oder vielmehr das Schweinchen heraus hängen lässt. (In einer Szene füttert der am ganzen Körper mit Stickern beklebte Eidinger ein Ferkel ganz dekadent mit Sushi). Eine der ersten Szenen zeigt unter anderem eine nachgestellte Luxusboutique, in der sich die Akteure in, auf den ersten Blick, überdrehten Kostümen präsentieren. Dazu lassen sie Sprüche wie „Hat mir wirklich gut gefallen, richtig gut, ja“, „Kennt ihr den? Richtig gut“ sowie „Mega schwer zu kriegen, wirklich schwer zu kriegen“ los. Dahingesagte Floskeln, die eine Persiflage auf das Markenfokussierte Konsumverhalten unserer Zeit sind. Ebenso wie die Klamotten, die grotesk übertrieben, überhypte Modelabels zitieren und den Konsumwahn ganz eigenwillig und wahrheitsgetreu darlegen – mit Recht, denn wir sind ehrlich: Gefällt uns gut, richtig gut, ja.

    Zuviel Show oder die Realität?

    Bei der weiteren Analyse von Textpassagen kommen Sätze wie „da musst du richtig lange suchen für“ und „Echt, Junge, mega schwer zu kriegen, Ne, wirklich, scheint ganz gut zu sein, Hat er nicht mehr viel von, richtig gutes Zeug“ auch den verbalen Ergüssen von Drogendealern gleich, die ihre Ware anpreisen. Klingt das nicht sehr nach den Werbeslogans, die wir auch aus unserem Alltag kennen? Sind wir nicht alle Opfer einer von Marken und den damit verbundenen Style-Kodexen bestimmten Welt? Diejenigen unter uns, die Deichkind etwas länger kennen, werden jetzt mit den Schultern zucken und sagen: Konsumkritik, na und? Der Clip ist ein weiteres Meisterwerk der selbstironischen Feder der Band. Der Text ist einfach und leicht einzuprägen, die Melodie unverkennbar Deichkind. Man kann und soll den Song und den Clip also auch einfach genießen. Wer aber zwischen den Zeilen hören will und jedes erdenkliche visuelle Spektakel aus dem Musikvideo sezieren möchte, auch in Ordnung. Letztendlich macht die neue Single Appetit auf das hoffentlich bald erscheinende Album, gefüllt mit Songs, die egal wie absurd oder tiefgründig sie auf dem ersten Blick erscheinen, ganz klar nach einem „Leider geil“ schreien.

    Text: Deniz Trosdorff

    Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren