Fashion Week Recap 2019: Die 5 Brands mit dem größten Show-Faktor

    There’s no business like show business! Saint Laurent, Chanel und Tommy Hilfiger sorgten für nostalgische Momente auf der Paris Fashion Week, während Moschino in Mailand und Vivienne Westwood in London fast schon märchenhafte Inszenierungen zum Allerbesten gaben. Hier unsere persönliche Fashion Week Recap.
    Fashion Week Recap
    Backstage @ Tommy x Zendaya

    Tommy x Zendaya: The Disco Days 

    Disco, Boogie und ganz viel Saturday Night Fever war das Thema von Tommy x Zendaya. Beide feiern die 70er, mit Denim-, Leder- und Metallicstoffen, weiten Schnitten mit enger Taille, wadenlangen Röcken, Plateauschuhen, knielangen Lederboots und natürlich Afros. Die Kollektion ist auch ein Rückblick auf die ersten prägenden Jahre Hilfigers als Jungdesigner und seine Faszination für das damalige Fashionbattle zwischen US-Designern und Paris – das „Battle de Versailles“.

    Bei Tommy x Zendaya spielen die Frauen dieses Jahr die Hauptrolle auf dem Runway, es sind Frauen allen Alters, aller Kleidergrößen und aller Herkunft – „Tommy Now“ dürfte übrigens eine der Schauen mit der höchsten Model-Diversity-Quote im Rahmen der Pariser Fashion Week gewesen sein. Zum Grand Finale posiert dann Goddess Grace Jones auf dem Dancefloor und markiert damit den Höhepunkt der Show. Well done, Tommy x Zendaya!

    When doves cry: Der große Abschied des Karl Lagerfeld bei Chanel

    Wer Krone sagt, sagt Karl Lagerfeld – der Kaiser der Pariser Modelandschaft. Es war die letzte große Show des nun verstorbenen Meisters der Haute Couture und des Prêt-à-porter. Der Deutsche Designer wusste jedes Jahr aufs Neue mit seinen Kollektionen das Unternehmen Chanel in fantastische Sphären zu katapultieren. Diesmal bestand die fulminante Szenerie aus einem verschneiten Bergdorf, der in das Pariser Grand Palais eingebaut wurde.

    Das Setting glänzte im strahlenden Schneeweiß, die perfekte Untermalung für den klassischen Auftritt einer Chanel Kollektion, mit ihrem unverkennbaren Tweedstoff und eigenem Hahnentrittmuster, flankiert von Accessoires wie Hüten und Taschen mit einem Touch Biedermeier-Ästhetik. Die Show war eine letzte große Hommage an Karl Lagerfeld und seine 35-jährige sehr enge Bindung zum Hause Chanel. Es war mit Abstand die emotionalste Show der gesamten Fashion Week 2019 – und ein großer Abschied in weiß.

    Vivienne Westwood: Die Umweltaktivistin

    „Buy less, choose well, make it last“ – mit monierendem Zeigefinger hat Vivienne Westwood ihre Kollektion „Homo loquax“ präsentiert und dazu einige Aktivisten auf den Laufsteg zusammengetrommelt, darunter auch die Schauspielerin Rose McGowan und  Repräsentanten von Greenpeace.

    Das theatralische Aktivistenensemble klärt die Zuschauer der Show auf, warum sie sich an Viviennes Grundsatz des nachhaltigen Konsums halten sollten.

    Um den drohenden Folgeerscheinungen des Klimawandels ein Gesicht zu verpassen, präsentiert die britische Designerin eigenwillige und seltsame Make-up Prothesen. Da gibt es den Lügner Pinocchio mit seiner Holznase, passend zu dem Thema des Schwätzers „Homo Loquax“, der zwar viel redet, aber nicht für seine Umwelt aktiv wird. Die Models, denen grünen und roten Plastiktüten im Gesicht kleben, diese unterstreichen noch einmal die Botschaft des Modehauses: nachhaltiger werden.

    Die Show kann man finden wie man will, die Message der britischen Designerin ist indes hochaktuell und politisch relevant.

    Fashion Week Recap
    Fotos: Imaxtree

    Saint Laurent: Der Überraschungsmoment 

    Anthony Vaccarello weiß eine Show orgiastisch aufzubauen: erst neutrale Farben, strenge Schnitte, dann langsam mehr Schwarz, mehr Leder, mehr Paillette, mehr Achtziger Epos und wenn man gerade anfängt nur noch Achtziger zu sehen, gehen auf einmal alle Lichter aus – und Ultra Violettes Licht an. Was danach folgt ist ein dystopischer Rave aus Show-Stopper Kleidern aus Federn, fluffigem Pelz und Schuhen, die sich durch das UV-Licht grell ins Auge des Betrachters einbrennen. Diese Show hat mit ihren fluoreszierenden Outfits und Accessoires einen sehr lauten und schrillen Abgang aufs Parkett gelegt  – und das mit Bravour.

    Gucci: Der Maskenball

    Und auch dieses Jahr lud Gucci’s Creative Director Alessandro Michele in das Kabinett seiner märchenhaften Phantasien ein. Der italienische Designer mit starkem Hang zu futuristischen Kollektionen und ausgeprägtem historischen Bezug, machte seinem Arbeitsethos dieses Jahr ein weiteres Mal alle Ehre.

    Masken der Welt vereinigt euch: es waren Entlehnungen von römischen und griechischen Armeehelmen aus der Antike zu sehen. Dann Masken, die den Venezianischen Karneval aufleben ließen, gefolgt von dystopisch-futuristischen Ohrenspangen, die an Metropolis erinnerten und schließlich ganz klare Referenzen zu SM-Masken und der Requisite aus zwei Horrorfilmen „Schweigen der Lämmer“ und „Freitag der 13.“.  Alessandro Michele weiß stets Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem komplexen Zusammenspiel zur Schau zu tragen, was sich auch in dieser Kollektion widerspiegelte. Man vermutet, die philosophische Dimension sei dieses Jahr das Thema „Schutz“ gewesen – ein sowohl individuelles als auch historisch und politisch aufgeladenes Sujet.  

    Text: Deborah Roth

    Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren