Flashback 2018: Diese Mode-Lektionen hat uns das Jahr beschert

    Kurz vor dem Jahreswechsel resümiert man für gewöhnlich das vorübergehende Jahr und zieht Bilanz über die persönlichen Highlights und Erfahrungen. Auch wir haben 2018 aus modischer Sicht Revue passieren lassen und fassen zusammen, was uns bewegt, überrascht und zum Nachdenken gebracht hat.
    Flashback 2018
    Burberry, Source: Instagram

    Wir sind Trackies!

    Der Einfluss der neunziger Jahre auf die zeitgenössische Mode fand in diesem Jahr seinen Höhepunkt. Die Liste der ‚Relikte‘ aus so manch einer Teenager-Zeit wurde im Verlauf des Jahres immer länger: Radlerhosen, Bucket Hats,  Schuhstyles, die an die berühmt-berüchtigten Buffalo-Boots erinnern, Kropfhalsbänder, um nur einige zu nennen. Doch ein Trend aus den Nineties, der sich bereits im vergangenen Jahr hier und da angekündigt hat, fand in diesem Jahr seinen Höhepunkt: die Track-Pants. Insbesondere solche der Marke mit den drei Streifen aus Herzogenaurach waren damals das Nonplusultra. Heute zeigen sich die Trackpants so vielseitig wie nie. Durch die zunehmende Casualisierung und der Demokratisierung von Athleisurewear sind sie ein konstanter Bestandteil unserer Alltagsgarderobe geworden. Ganz authentisch wie damals mit dekorativen, seitlich angebrachten Druckknöpfen, mit Galonstreifen, sportiv aus funktionalen Kunstfasergeweben oder ganz edel aus hochwertigen Wollmischungen. Die breit angelegte Auswahl signalisiert, dass noch lange mit diesen Pants zu rechnen ist und sie sich einen Platz in der Galerie der modischen Evergreens ergattert haben.

    Flashback 2018
    Caro Daur im Trackpant-Look 2018. Source: Instagram

    Die letzte Abhängigkeit

    Das Jahr 2018 hatte einige Modethemen, die das gesamte System hinterfragt haben und dieses  in einem neuen Licht erscheinen ließen. Eines dieser Themen war die Hinterfragung der Saisonabläufe. Braucht die Mode überhaupt noch eine Einteilung in Frühjahr/Sommer sowie Herbst/Winter? Seit einigen Saisons ist eine Bewegung zu verfolgen, bei der bekannte Modehäuser auf saisongebundene Kollektionen verzichten und zunehmend auf saisonübergreifende setzen. Häuser wie Burberry, Vetements, Tommy Hilfiger oder Tom Ford leiteten eine Bewegung ein, die klassische Strukturen hinter sich gelassen und sich auf die momentanen Marktbedürfnisse eingestellt haben. Anstatt auf die Hauptkollektionen sowie den unzähligen Zwischenkollektionen zu setzen, konzentrieren sich die Designer und Marken auf bedarfsgerechte Kollektionen. Diese werden nicht wie üblich ein halbes Jahr nach Präsentation auf den Catwalks oder Messen zum Verkauf angeboten, sondern zeitnah nach Markteinführung im Sinne des  ‚See-now-buy-now’-Prinzips dem Endverbraucher präsentiert. Wer steckt wieder einmal hinter diesem Umdenken dahinter? Die Sozialen Medien haben dafür gesorgt, dass der Endverbraucher modisch informierter und somit auch fordernder wie nie zuvor ist. Kleidung, die ein Jahr zuvor designt wurde, erscheint den meisten überholt und nicht dem Zeitgeist entsprechend. Viel wichtiger ist Ware, die das Hier und jetzt einfängt und schnell verfügbar ist.

    Flashback 2018
    Burberry's New Heritage Trench, Source: Instagram

    Korrekt unkorrekt

    Vor kurzem ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die (Mode-)Welt. Das italienische Fashionduo Stefano Gabbana und Domenico Dolce wollte mit einer Video-Kampagne Werbung für eine Modenschau in Schanghai machen. Diese zeigte eine Chinesin, die unbeholfen versucht, mit Essstäbchen italienische Spezialitäten zu sich zu nehmen. Das Resultat: aufgebrachte Chinesen, die dem Label Rassismus vorwarfen und es mit einem Boykott auf dessen Produkte abstraften. Anstatt auf Deeskalation zu gehen und die Lage zu beruhigen, ließ Stefano Gabbana auf seinem privaten Instagram Account jedoch eine Tirade mit beleidigenden Ausbrüchen über die Protestler los. Die Linie zwischen politisch korrekt und unkorrekt ist – vor allem in der Kreativszene – eine ganz feine. Denn die Modegeschichte hat bereits mehrmals gezeigt, dass politisch- und gesellschaftskritische Inhalte ihren berechtigten Platz haben und dass Mode berühren, aber auch zum Nachdenken bewegen soll. Man erinnere sich beispielsweise an die Benetton Werbekampagnen aus den neunziger Jahren zurück, wo Themen wie Aids, Krieg, Rassismus sowie Homosexualität unmissverständlich dargestellt wurden. Künstlerische Freiheit sowie Meinungsfreiheit sind wichtige Güter unserer modernen Gesellschaft. Wie ein Seismograph geben sie die Stimmung und Gefühlswelten dieser wieder. Dennoch sollten Fingerspitzengefühl und eine große Portion Menschenverstand immer diese begleiten, um jegliche Botschaften nicht unkontrolliert ausufern zu lassen. Denn letztendlich soll Mode verbinden und nicht Hass schüren.

    Flashback 2018
    Back when the world was still in order. Photo: Imaxtree

    Text: Deniz Trosdorff

    Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren