Innovative Textilien – Nachhaltige Materialien revolutionieren die Modeindustrie

    1,35 Millionen Tonnen Altkleider – eine horrende Summe, die wir uns als Müllberg kaum ausmalen können. Will die Modebranche etwas für die Umwelt tun, steht ein großer Wandel bevor. Einen ersten Schritt in die richtige Richtung wagen nun einige Modelabels und Designstudios mit Taschen aus Bananen, Schuhsohlen aus Kaugummi oder Pelzmänteln aus Hanf. Was zunächst nach infantiler Bastelei klingt, könnte in den nächsten Jahren die Modeindustrie grundlegend verändern. Über innovative Textilien, die zu mehr Nachhaltigkeit anregen.
    Innovative Textilien
    Credit: Sarah Brunnhuber, Foto: Isabelle Mauduit

    Bananenfaser-Taschen von Qwstion 

    Das Szenario kennen ihr aus Kindertagen noch zu genüge: Die Banane wird in der Tasche vergessen und schmiert sich zwischen Bücher und Hefte. Statt als verlorenes Abfallprodukt wird nun gleich die gesamte Tasche aus Bananenfasern hergestellt. Denn das Schweizer Label Qwestion präsentiert das Material „Bananatex“ aus natürlichen Fasern mit einer wasserabweisenden Bienenwachsbeschichtung. Die Fasern der Bananenbaumfamilie „Bananenhanf“ oder „Abacá“ werden dabei in einem natürlichen Ökosystem auf den Philippinen aus nachhaltiger Forstwirtschaft kultiviert.

    Kaugummi-Schuhe von Gumdrop 

    Ein Phänomen der Großstadt: Gehwege in Metropolen wie Berlin sind nicht nur voller Müll sondern auch mit zahllosen festgedrückten Kaugummis marmoriert. Allein in den Niederlanden landen jedes Jahr rund 1,5 Millionen Kilogramm Kaugummi auf der Straße. Die Firma Gumdrop hat nun Sammelstellen eingerichtet, an denen Passanten ihren Kaugummi statt auszuspucken, abgeben können. Aus dem alten Gummi wird schließlich das Material Gum-Tec hergestellt, aus dem zahlreiche Produkte hergestellt werden. Darunter: der pinke Gumshoe für alle Wiederkäuer.

    Hanf-Pelzmantel von Devohome 

    No fur! Immer mehr Marken distanzieren sich von Echtpelz. Doch die Alternative aus synthetischen Fasern wie Acryl oder Polyester sieht oft nicht nur unschön aus, sondern schadet auch der Umwelt. Das ukrainische Label Devohome präsentiert nun einen mit Hanfpelz gefütterten Wintermantel. Das vegane, hypoallergene und zugleich biologisch abbaubare Material wird aus 50 Prozent Hanf und 50 Prozent Viskose hergestellt – eine großartige Alternative zu Echt- sowie Kunstpelz, ganz ohne umweltschädliche Nebeneffekte.

    Veganes Leder von Tchouc Textil 

    Neben Veganpelz kommt nun auch eine tolle Lederalternative auf den Markt. Die pflanzliche Variante zu Leder ist wasserdicht, reißfest und damit hochfunktional. Hierzu wurden lediglich Leinwände mit natürlichem Kautschuk beschichtet. Wer hat's erfunden? Das belgische Designerkollektiv La Gadoue. Nach ihrem Abschluss an der Design Academy Eindhoven gründeten Audrey Werthle und Eloïse Maës ihr eigenes Atelier, wo sie ihr „Tchouc-Textil“ kreierten.

    Weave (k)not waste von Sarah Brunnhuber 

    Wohin mit all den Schnittabfällen, die während der Kollektionsproduktion anfallen? Die britische Designerin hat sich zum Ziel gesetzt, Schnittverluste nicht nur auf ein Minimum zu reduzieren, sondern gänzlich zu eliminieren. Hierzu werden ihre Muster direkt in Form gewebt und Entwürfe zusammengeknüpft. Die kleinen Fransen in ihrer Kleidung repräsentieren die Liebe zum Detail und die intensive Auseinandersetzung mit dem Handwerk.

    Text: Stefan Franken 

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